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Die Bezeichnungen für Straße / Offroad

Wer sich zum ersten Mal mit dem Fahren abseits asphaltierter Straßen beschäftigt, stolpert früher oder später über Angaben wie „70/30“, „50/50“ oder „30/70“. Was auf den ersten Blick wie eine mathematische Spielerei wirkt, ist in Wahrheit eine recht treffende Kurzbeschreibung des Einsatzzwecks eines Reifens. Die Zahlen geben an, wie stark ein Reifen auf Straße oder Gelände ausgelegt ist – wobei die erste Zahl für die Straße, die zweite für den Offroad-Anteil steht.

Irrglaube und falsche Interpretation

Ein häufiger Denkfehler besteht darin, die Prozentangaben auf die Fahrzeit oder die Haltbarkeit zu übertragen. Wer etwa glaubt, bei „nur 30 Prozent Offroad“ automatisch mit einem 70/30-Reifen richtig zu liegen, liegt falsch: Entscheidend ist nicht, wie oft man abseits der Straße fährt, sondern welche Begebenheiten man abseits der Straße meistern muss.

Die goldene Mitte

In der Mitte der Skala findet man sogenannte 50/50-Reifen, also als mittlerer Kompromiss konstruiert: Sie sollen auf Asphalt noch ordentlich funktionieren und gleichzeitig im Gelände genügend Traktion bieten. Dieser Kompromiss zeigt sich deutlich im Profilbild. Die Stollen sind ausgeprägter als bei reinen Straßenreifen, aber nicht so grob und tief wie bei "echten" Enduroreifen. Genau deshalb gilt ein 50/50-Reifen bei vielen Offroadtrainings als Mindestanforderung – alles darunter ist im Gelände schlicht zu limitiert.

Straßenorientierte Varianten

Straßenlastigere Varianten wie 70/30 oder 60/40 wirken auf Asphalt zunächst angenehmer. Sie laufen ruhiger, bieten mehr Präzision in Kurven und verschleißen langsamer. Doch dieser Komfort hat seinen Preis: Im Gelände fehlt es ihnen an Biss. Auf festem Schotter mag das noch funktionieren, aber sobald der Untergrund lose, sandig oder gar schlammig wird, geraten solche Reifen schnell an ihre Grenzen. Das Vorderrad beginnt zu schieben, das Hinterrad verliert Traktion. Auf nasser Wiese ist es damit ein wahrer Drahtseilakt.
- Viel Straßenperformance "bezahlt" man im Gelände mit schlechterer Traktion!

Focus auf Geländeeinsatz

Am anderen Ende der Skala stehen 40/60- oder 30/70-Reifen. Hier verschiebt sich der Fokus klar in Richtung Gelände. Grobe, tief geschnittene Stollen krallen sich in losen Untergrund, reinigen sich im Matsch selbst und liefern genau die Traktion, die im Offroad-Betrieb entscheidend ist. Sie besitzen kantig ausgebildete Reifenflanken, die für guten Grip auf schrägem Gelände sorgen. Auf Asphalt hingegen fühlen sich diese Reifen spürbar unpräziser an, reagieren empfindlicher auf Nässe und verschleißen schneller. Für längere Straßenetappen sind sie daher nur bedingt geeignet.

Für den Start ins Offroad-Erlebnis

Gerade für Einsteiger ist deshalb ein Reifen im Bereich 50/50 oder 40/60 oft die sinnvollste Wahl. Er bietet genügend Reserven, um typische Fehler in leichtem Gelände zu verzeihen, ohne auf der Straße völlig unkomfortabel zu werden. Wer sich intensiver mit Offroad beschäftigt oder gezielt schwierigere Passagen fährt, sollte auf Reifen mit mehr Enduro Charakter wechseln.

Und was jetzt genau wählen?

Dafür gibt es keine Aussage, die für jeden passt!
Die Angabe der Zahlen für Straße/Offroad sind eine Einschätzung von Reifentestern und basieren NICHT auf Tests mit festgelegten Kriterien. Sie basieren auf Erfahrungswerten, Einschätzungen und Fahrgefühl von Reifentestern. Die Wahl des richtigen Reifens ist also nicht einfach aufgrund der Angaben von Zahlen zu erledigen, sondern man sollte sich Gedanken machen, welche Vorteile man primär nutzen möchte und welche Nachteile man dafür in Kauf nimmt.

Wo Licht ist, ist auch Schatten!

Beachte bei der Reifenwahl, dass sich Reifeneigenschaften ähnlich verhalten, wie eine Waage: Mehr Straßenperformance bedeutet weniger Geländetauglichkeit und umgekehrt!

Performanceverlust durch Verschleiß und falsche Investition

Ein Punkt wird dabei regelmäßig unterschätzt: der Verschleiß. Während ein Straßenreifen auch mit reduziertem Profil auf trockener Fahrbahn noch vergleichsweise gut funktioniert, verliert ein Offroadreifen seine entscheidenden Eigenschaften deutlich früher. Mit abnehmender Profiltiefe sinkt vor allem die Fähigkeit, sich in losen Untergrund „einzukrallen“ und sich selbst zu reinigen. Die Folge: Traktion bricht schneller weg, das Fahrverhalten wird schlechter. Im Gelände ist ein halb abgefahrener Reifen daher oft schon ein klarer Nachteil – lange bevor er auf der Straße als „fertig“ gelten würde.

Wenn man sich als Beginner einen gebrauchten Reifen besorgt und denkt "Ach, für den Anfang tut er es noch..." ist es genau der falsche Weg.
Gerade am Anfang benötigt man einen Reifen, der einem beim Fahren hilft und keinen Reifen, der einem zusätzlichen Stress bereitet.

Wonach nun einen Reifen auswählen?

Wer den geplanten Einsatzzweck betrachtet, seine eigenen Fähigkeiten gut einschätzen kann und die Anforderungen des Untergrunds versteht, trifft eine gute Entscheidung. Es geht also hier nicht darum, den bequemsten Reifen zu wählen, sondern den, der unter den schwierigsten zu erwartenden Bedingungen noch funktioniert und zum Fahrkönnen passt.

Tests der Offroad-Reifen vom Wolf

Die Reifentests dazu und noch viel mehr über das Offroad-Fahren findest du hier:

Reifentests vom Wolf